>> LITE TECH / LAUFRADBAU / Einspeichen

Einspeichen

Wir speichen nach Schraner’s Way ein – benannt nach dessen Entwickler Gerd Schraner. Bei dieser Methode wird die rechte Laufradseite zuerst vollständig eingespeicht, dann das Rad umgedreht und die linke Laufradseite nach dem gleichen Schema eingespeicht . Man behält bei dieser Methode eine gute Übersicht, das Einspeichen geht klar, schnell, effizient von Statten.

Schraner_Gütlin
Gerd Schraner und Tobias Gütlin bei Gerd Schraner’s DT Swiss Meisterkurs für Laufradbau am 14.04.2008

Für ein professionelles Ergebnis und effizientes Zentrieren werden die Speichengewinde geölt. Bei der Verwendung von Alunippeln sind diese äusserlich eingeölt, damit sie sich nicht in der Felge festfressen und effizient zentriert werden kann.

Einen Einblick ins Einspeichen und Zentrieren – Schritt für Schritt – gibts hier: Einspeichen und Zentrieren

Und hier geschieht das Einspeichen ganz von alleine:

Slideshow Einspeichen from Lite Tech on Vimeo.

Einspeicharten

Man unterscheidet zwischen der radialen/geraden und tangentialen/gekreuzten Einspeichung.

Bei der radialen Einspeichung verläuft die Speiche gerade von der Nabe zur Felge.

radial_eingespeicht rr_wheel_home

Radiale Einspeichung bringt ein Plus an Steifigkeit von bis zu ca. 10 Prozent, dieses Plus kommt am besten zur Geltung mit steiferen Aerospeichen.

Radialeinspeichung ist nur für das felgengebremste Vorderrad empfehlenswert: Die gerade verlaufenden Speichen erhöhen die Seitensteifigkeit (nur Kurvensteifigkeit), es fehlen aber die tangential verlaufenden Speichen, die bestens geeignet sind, Scheibenbrems- und Antriebskräfte aufzunehmen. Gerade eingelegte Speichen neigen dazu, sich bei torsionaler Belastung tangential zum Nabenflansch hin zu bewegen. Das bringt Unruhe ins Speichengerüst und es können langfristig Speichenköpfe abbrechen oder Nippel sich lösen. Deshalb ist das gerade Einspeichen am Hinterrad keine gute Idee.

Für radiale Einspeichung muss der Hersteller die Nabe freigeben, so gibt es z.B. von tune und DT Swiss spezielle Vorderrad-Naben für Radial-Einspeichung. Diese Naben haben meist 28 oder weniger Speichenlöcher – das bringt mehr Platz zwischen den Speichenlöcher und der Nabenflansch ist weniger gestresst. Das Bruchrisiko des Nabenflansches bei 32 oder 36 Speichenlöchern ist bei Radialeinspeichung hoch und ist deshalb nicht empfehlenswert.

Bezüglich Gewichtsersparnis durch radiale Einspeichung: Gerade eingelegte Speichen machen einen kürzeren Weg als gekreuzt eingelegte Speichen, durchs radiale Einspeichmuster sind die Speichen kürzer und somit leichter – durchschnittlich ca. 3-5 Gramm (Unterschied radial – 3fach gekreuzt). Die Gewichtsersparnis ist also nicht so legendär, dafür profitiert die Optik umso mehr:

Radial_rot

schön_radial

Bezüglich Aerodynamik durch radiale Einspeichung: Vor allem in Verwendung mit Aerospeichen und weniger als 32 Speichen wird die Windschlüpfrigkeit bei radialer Einspeichung verbessert. Dieser Effekt kommt aber erst ab relativ hoher Fahrgeschwindigkeit von ca. 40 bis 50 km/h zum Tragen und ist deshalb – pardon – nicht für Alle relevant.

Wir empfehlen gerades Einspeichen fürs Vorderrad am Rennrad mit Aerospeichen und 28 Loch oder weniger. Sonst raten wir davon ab, am Hinterrad ist gerades Einspeichen für uns tabu. (Keine Regel ohne Ausnahme: bei extrem hochprofiligen Aerofelgen ist radiales Einspeichen am Hinterrad links denkbar.)

Bezüglich tangentialem/gekreuztem Einspeichen:

Gehen von der Nabe Brems- und Antriebskräfte aus (also am Disc-gebremsten Rad und am Hinterrad), ist das radiale Einspeichen tabu und des gekreuzte Einspeichen ideal um diese Kräfte zu übertragen. Wir empfehlen als beste Lösung und als weitaus besten Kompromiss zwischen Leichtbau und Steifigkeit das 3-fache Kreuzen der Speichen, bei einem Körpergewicht ab ca. 75kg empfehlen wir ausnahmslos 3-fach gekreuzt, hinten und vorne.

rad_3fachgekreuzt

3-fach_gross
3-fach gekreuzt eingespeicht

1- oder 2-faches Kreuzen kommt bei leichten FahrerInnen bis 70 kg Körpergewicht als optisch interessante Option am Rennrad in Frage.

1-fach_nah

1-fach_gross
1-fach gekreuzt eingespeicht

2-fach_nah

2-fach_gross_b
2-fach gekreuzt eingespeicht

Eine weitere interessante Option ist es – als optimaler Mix zwischen Stabilität und Leichtbau – am Rennrad-Hinterrad links 2-fach und rechts/antriebsseitig 3-fach einzuspeichen.

2_3-fach_nah

2_3-fach_gross
links 2-fach, rechts/antriebsseitig 3-fach eingespeicht

4-faches Kreuzen der Speichen ist für Tandem-Laufräder empfehlenswert, die harten Bedingungen ausgesetzt sind, z.B. rauhe Offroad-Fahrten oder Touren-Einsätze mit hoher Gepäckzuladung. Für 4-fach Kreuzen sind Naben mit hohem Flansch-Profil einzusetzen.

Lite Tech powered by Gütlin Velo, © Lite Tech, site created by Simplificator GmbH